StadtwaldHolz - Wilfried Nißing & Sabine Röser

Ort

Koblenzer Straße 15
50968 Köln
0221 5462218
0221 5462298

 

Feines in Holz - Stadtwaldholz. Koblenzerstraße 15 lautet das Ziel. Etwas abenteuerlich sieht es hier jetzt aus, da die Nachbarhäuser fast alle abgerissen sind. Das Schild „Feines in Holz – Möbel, Küchen, Einrichtungen, Zuschnitte – Tischlerei - Architektur“ ragt hervor und weist den Weg: Am Ende des kleinen Weges liegt die Schreinerei von Wilfried Nissing und Sabine Röser. Mehrere Gebäude gehören zur Schreinerei: Links die Werkstatt. In der Mitte das Bürohaus mit einem Aufenthaltsraum mit Küche auf der ersten Etage und einem beeindruckenden Terrassenvorbau. Die Holzterrasse ist überdacht und lädt zum Verweilen ein. Hier lockt eine Holzhängematte zum Ausruhen, eine gemütliche Bank mit Tisch gleich dahinter. An der Wand stehen unzählige Holzsterne aufeinander und schmücken den Essbereich. Auch Holzscheiben mit eingebohrten Bienen entdecke ich. Ein Highlight sind die Goldfische und Seerosen, die den Platz unter der Holztreppe bewohnen. Hier fühlt man sich gleich wohl. In einem großen Holzkübel wird Regenwasser für die Pflanzen aufgefangen. Rechts davon sind die verschiedenen Lager- und Trockenräume für die Hölzer. 

 

Vor knapp 12 Jahren sind der Schreiner Wilfried Nissing und die Architektin Sabine Röser hier eingezogen und hatten viele innovative Ideen im Gepäck. Sie wollten mit Massivhölzern arbeiten, langlebige und hochwertige Möbelstücke herstellen – weg von der Spanplatte. Die Verbundenheit mit der Natur, Umweltschutz, Klimaschutz und Nachhaltigkeit waren Nissing und seiner Frau Röser schon immer ein Anliegen. Beide sind Kinder der Eifel.

Der erste Klimasturm „Wiebke“ vor 20 Jahren hatte sie dazu inspiriert, sich Gedanken über die lokalen Hölzer zu machen. Auf diese Art könnte man auf die langen Transportwege der Hölzer verzichten und aktiv zum Klimaschutz beitragen. Wilfried Nissing ging damals durch den Kölner Forst und stellte fest: „Durch den Sturm ist ganz viel Baumbestand umgefallen. Was machen die damit? Da habe ich das Kölner Forstamt kontaktiert.“ Nach einigen Gesprächen sind die beiden Seiten sich einig: „Das Forstamt fällt immer wieder Bäume im Kölner Forst. Sie schlagen sie ein und ich kaufe die gefällten Bäume ein.“ So entstand eine neue Verkaufsidee, die sich zu der Marke „Stadtwaldholz“ entwickelte. Sabine Röser erklärt: „Unsere Schreinerei produziert Möbel unserer Marke ‚Stadtwaldholz’. Allerdings hat sich der Name sofort etabliert und durchgesetzt und alle nennen uns nur noch ‚Stadtwaldholz’ – obwohl die Schreinerei eigentlich ‚Feines in Holz’ heißt.“ Nissing ist begeistert: „Im Kölner Forst wachsen sehr viele unterschiedliche Bäume – Eichen, Buchen, Ahorn, Kirschen, Robinien, Platanen aber auch Exoten wie Mammutbäume oder auch der Kuchenbaum. Ein Waldbaum wächst auch ganz anders als ein Parkbaum. Die Bäume im Wald schützen sich gegenseitig. Die im Park stehen immer im Wind und sind etwas nervöser. Inzwischen ruft das Forstamt mich an, wenn sie außergewöhnliche Bäume fällen werden. Die Bäume werden dann von ihnen in verschiedene Güteklassen unterteilt. Wenn die Bäume geliefert werden, säge ich sie auf, lagere und trockne sie. Was aus dem Baum wird, hängt auch davon ab wie astig er ist.“ Sabine Röser fügt hinzu: „Die Kölner sind sehr köln-afin. Als wir anfingen, unseren Kunden zu erzählen, dass das Holz aus dem Grüngürtel, dem Forstbotanischen Garten oder dem Stadtwald stammt, waren sie begeistert!“


Nissing und Röser ergänzen sich gut. Die Architektin erklärt: „Am Besten kann man das an unserem StubenHocker erkennen. Ich habe ihn entworfen und wollte etwas Stabiles entwickeln. Er kann Beistelltisch, Tritt oder Hocker sein und einen Griffschlitz hat er auch. Für die Stabilität des kleinen Hockers wollte ich ein Bein ausstellen. Dann kam Wilfried und hat es möglich gemacht.  Er wusste, wie er das handwerklich umsetzen konnte.“ Jeder Kunde wird vom Duo Röser & Nissing individuell und kompetent beraten. Jedes Möbelstück ist mit Liebe entworfen und hergestellt. Außergewöhnliche und praktische Ideen finden hier zueinander. Neue Garderobenformen, die flexibel und platzsparend sind, werden entworfen, eine extravagante Chaiselongue, individuelle Küchen und noch viel mehr. Besonders populär sind die „Heimatsterne“ erzählt Sabine Röser: „Die Sterne werden aus Mammutholz hergestellt. Mammut wächst sehr schnell, ist mehrfarbig – innen rosa und nach außen cremefarbig. Sie werden mit der Motorsäge geschnitten und mit der Stahlbürste bearbeitet, damit man die Jahresringe besser sieht. Das ist ein gutes Mitbringsel für Kölner, die außerhalb von Köln wohnen. Ein Teelicht oder eine Kerze macht sich besonders gut darauf.“  Stolz ist der Betrieb auch auf die Zusammenarbeit mit den Sozial-Betrieben-Köln (SBK). „Wilfried sägt das Holz in Bretter. Mit einer Schablone zeichnet er die spätere Form der Frühstücksbretter vor und schneidet grob zu. Dann hobelt er die Brettchen auf die gewünschte Dicke und gibt ihnen das Profil. Nun sind die geduldigen Mitarbeiter des SBK gefragt. Sie schleifen die Bretter fein. Durch eine Schicht Bio-Olivenöl erhalten die Brettchen ihren Glanz.“ Und dann wird jedes Frühstücksbrettchen, jeder Stern mit dem firmeneigenen Branding versehen, so wie alle Produkte, die aus der Schreinerei stammen. Röser hat das Branding designt: „Das Brandzeichen stellt einen Baumstamm dar. Man sieht die Jahresringe, die mit den Kölner Stadtringen korrespondieren. Der Stamm ist in eine Scheibe aufgeschnitten und man sieht den Rhein, den Dom, alle Ringe bis zum Grüngürtel. Das ist unser Markenzeichen.“

Stadtwaldholz setzt sich für die Umwelt ein und für einen sozialen Umgang miteinander. Projekte wie NeuLand und „Out of School – mal woanders lernen“ werden begeistert unterstützt. Auch die Sendung mit der Maus hat Stadtwaldholz schon besucht! Und 2011 ist Stadtwaldholz mit dem Umweltschutzpreis der Stadt Köln ausgezeichnet worden. Mit dem Preisgeld haben Sabine Röser und Wilfried Nissing ein neues Lastenfahrrad mit Elektromotor für die Firma finanziert: Nun können sie bis zu 300 kg mit dem Fahrrad transportieren und der Betrieb ist noch CO2-neutraler. Hier können Möbel nach Maß mit gutem Gewissen inklusive gekauft werden.

 

 

Aslı Güleryüz

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