Wohnen: gerecht. sozial. bezahlbar.

Der Titel der Ausstellung klingt eher banal: "Alle wollen wohnen". Die Brisanz verbirgt sich im Untertitel: "gerecht. sozial. bezahlbar.". Und das ist das Problem. Wie es zu lösen sein könnte, zeigt eine eindrucksvolle Ausstellung in der ehemaligen Halle 18 der Clouth-Werke an der Xantener Straße in Nippes. "meine-suedstadt.de" hat sich bewusst entschieden, dafür einmal den Blick über die Veedelsgrenzen zu weiten, weil das Thema Wohnen und Neubau von Wohnungen ja auch bei uns im Veedel vielen auf den Nägeln brennt. NRW-Bauminister Michael  Groscheck und Kölns Baudezernent Franz-Josef Höing äußerten sich kurz vor der Ausstellungseröffnung zur  Wohnungsbaupolitik in Köln.

 

"45 Prozent aller Kölner haben aufgrund ihres Einkommens Anspruch auf eine öffentlich geförderte Wohnung", erklärte Höing. Aber: Die meisten von denen werden in diesem Leben vergeblich auf ein Dach über dem Kopf für sieben Euro den Quadratmeter warten. Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich. Aber im Vergleich hinkt Köln. Und zwar hinterher. In Wien, so erfährt man auf einer der Infotafeln der Ausstellung, lebt mehr als die Hälfte der Einwohner in öffentlich geförderten Wohnungen zum Preis von sieben Euro pro Quadratmeter aber auch deutlich darunter. Selbst vier Euro sind keine Seltenheit. In Innenstadtlage. Für Köln möchte Höing auch mehr Soziawohnungen bauen. Allein, wer soll das tun? "Die GAG engagiert sich nicht über Gebühr", räumt er ein. "Es müssen auch andere Player an den Start." Das Kooperative Baulandmodell, das der Rat beschlossen hat und demzufolge 30 Prozent aller Wohnungen in einem Neubauprojekt öffentlich gefördert sein müssen, wenn mehr als 25 Wohnungen gebaut werden, sehe noch zu viele Ausnahmen vor.

 

 

"Wir werden das Modell schärfen. Bis zum Jahresende gehen wir mit einer neuen Vorlage in den Rat." Auch die Vergabe von Grundstücken möchte Höing neu regeln. Künftig soll die Konzeptvergabe den Vorrang haben. Das heißt, städtische Grundstücke werden nicht an den Investor vergeben, der den höchsten Preis bezahlt, sondern an den, der unter anderem die wohnungsbaupolitischen Ziele von Rat und Verwaltung verfolgt. Die Wohnungsbaugenossenschaften will Höing auffordern, nicht nur den Bestand zu sanieren, sondern im Inneren ihrer Siedlung nachzuverdichten. Da sieht der Baudezernent "noch großes Potenzial". Und dann möchte Höing "ohne diese blöde Hochhausdebatte" dichter und höher bauen. Sieben Geschosse sollen als Maßstab dienen.

"Münchner Küche" als Vorbild


Die Ausstellung ist auf fünf ziemlich bunte Kojen aufgeteilt und behandelt die Oberthemen "Das Haus", "Die Akteure", "Küche, Diele, Bad", "Recht auf Wohnen" und "Wohngebiete". Man erfährt etwa, dass die Konzeptvergabe in Zürich schon längst praktiziert wird. Und dass in der Weimarer Republik auch der Wohnungsbau in Deutschland ähnlich wie in Wien dank stattlicher Förderprogramm vorbildlich sozial war. Nehmen wir Erna Meyer, die 1928 die "Münchner Küche" als Kombination aus Arbeits- und Wohnküche entwickelte: "Zu gutem Wohnen gehört unter anderem die ganze Summe von Bedingungen, die den Ablauf unseres täglichen Lebens reibungslos gestalten, die die Abwicklung der Alltäglichkeit zusammendrängen auf ein Minimum an Kraft- und Zeitaufwand." Irgendwelche Widersprüche 90 Jahre später? Und wenn Le Corbusier vor 100 Jahren sagt "Einen Standard entwickeln heißt, einen als zweckmäßig erkannten Typus auf ein Höchstmaß an Leistung und ein Mindestmaß an aufzuwendenden Mitteln zu bringen", wird diesem Satz jeder zustimmen, der preiswerte Wohnungen bauen möchte.

Sauna, Kino, Dachterrasse


Der Knaller ist ntürlich das Sonnenwendviertel neben dem neuen Wiener Hauptbahnhof. Hier leben 1000 Menschen in 472 Wohnungen. Mit einem Schwimmbad, einer Sauna, einem Kino, einem Theatersaal, einer Dachterrasse mit Blick über die ganze Stadt, einem großen Partyraum mit Zugang zum Grillplatz im Hofgarten, einer Kletterwand, tausend Fernsehprogrammen und drei Terrassen für Gemüse- und Kräuteranbau. Selbstredend für sieben Euro pro Quadratmeter. Wann man sich auf eine solche Wohnung in der Parkstadt Süd bewerben kann, geben wir an dieser Stelle bekannt.



Die Ausstellung in der Halle 18 ist noch bis zum 30. Oktober dienstags bis sonntags von 11 Uhr bis 18 Uhr und donnerstags bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.
 

Clouth-Gelände (Halle 18), Josefine-Clouth-Str., 50733 Köln


Wer hat das geschrieben?

Stefan Rahmann, lebt seit 35 Jahren in Köln, davon mehr als 32 in der Südstadt. Zuvor reifte er im Sauerland zum Anhänger der...

Kommentare

Es herrscht leider ein

Es herrscht leider ein Irrtum, dass ein eigenes Haus etwas nur für reiche Leute wäre! Ich kenne aber ein Ehepaar, sie arbeitet bei der Bahn, er macht Montagearbeiten, also, beide sind keine Top-Manager und haben eine minderjährige Tochter. Meine Bekannten haben selber ein kleines Haus gebaut, ohne große Ansprüche, aber sehr funktional. Die Kosten waren erträglich. Natürlich, ging es nicht ohne "Hilfe" eines Bankkredits. Eine voraussichtliche Kostenkalkulation kann jeder für sich erstellen, beispielweise, die Preise bei einem Online Baustoffhändler nachschauen. Wie viel für Fertigbeton, Wärmedämmung, Werkzeug usw. Es kommt, natürlich, darauf an, wo man wohnt und welche Steuer und Gebühre da übrig sind. Man muss sich vor dem Bau bzw. vor dem Kauf eigenes Hauses zwei Sachen überlegen. Einerseits, ein Haus braucht viel Pflege und die Rechnung kann schnell auf die tausenden Euro gehen. Andererseits, steigen die Immobilienpreise. Sollte man das Haus verkaufen, kann es dazu kommen, dass man mehr Geld bekommt als er bereits ausgegeben hat. VG Anne

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