Place on Earth - Kikisoso, Köln

"Place on earth" - Weihnachten & Silvester 2014 in der Südstadt

Das Weihnachtsfest liegt vor uns. Endspurt. Plätzchen wollen gebacken, die letzten Geschenke besorgt, der bestellte Tannenbaum abgeholt und die Wohnung auf Vordermann gebracht werden. Schließlich soll es ein schönes Fest werden im Krei

Leben und leben lassen?


Sie sind gelangweilt? Haben viel Zeit und wissen nicht was sie damit anfangen  sollen? Fehlt Ihnen eine Aufgabe? Suchen Sie ein neues Hobby? Wenn Sie ein Kontroll-Freak sind und eine Ihrer größten Leidenschaft darin besteht, den anderen eins reinzuhauen, sucht die Stadt Köln Ihre Mitarbeit:

Gesucht wird der Petzer!

 

Es werden Menschen gesucht, die von dem Verrat der Anderen profitieren. Es hat nichts mit Geld zu tun, Genugtuung reicht! Die sogenannten Abtrünnigen, Judasse, Treulosen, Kollaborateure, Verräter, Denunzianten. Liebe Leute, es ist offiziell, der Petzer ist wieder in Mode gekommen!

 

Seit dem 1. Mai 2013 ist das „Kneipen-Rauchverbot-Gesetz“ in Kraft getreten. Die neu umworbenen, inoffiziellen Mitarbeiter sollen helfen, das Gesetz durchzusetzen. Selbstverständlich ohne auf die Gehaltsliste zu kommen. Billiger Verrat. Es geht ganz einfach. Auf der Internet-Seite der Stadt Köln kann jeder Verstoß gegen den Nichtraucherschutz, in einem Online-Formular angezeigt werden. Voilà! Ist diese Lösung nicht gefährlicher als das Problem selbst? Wollen wir wirklich den offiziellen Verrat kultivieren? Ist es in unserem Sinne, die Denunziation gesellschaftsfähig zu machen? Sie lässt Bilder aus einer dunklen Zeit wieder hochkommen und passt eher zu einem totalitären Regime zu einer demokratischen rot-grünen Regierung.

Home, sweet home!


Gibt es so etwas wie ein unsichtbares, magnetisches Feld, ein schwarzes Loch, eine zweite Dimension, die alles durcheinander bringt? Ist das der Grund für die technischen Störungen in meinem Leben?


Es gibt  Wochen, die im Zeichen des absoluten Chaos stehen. Es schleicht sich eine Kette absurder Geschehnisse in den Alltag, und schon steht unsere kleine Welt Kopf. Wie so oft, geht es ohne Vorwarnung los und wir werden absolut überrascht. Als Kind liebte ich Überraschungen. Das lang ersehnte Fahrrad stand vor der Tür, später das Auto, doch als Erwachsener entpuppen sich manche Überraschungen als  heimtückisch und gemein. Es fing vor ein paar Wochen an, als der Frühling verschwand und der Winter zurückkehrte.

Rückblick. Ich muss zu einem Interview, doch vor lauter Schnee finde ich mein Auto nicht. Einmal gefunden, grüßt mich ein tiefgefrorener Strafzettel. Die Tür ist festgefroren, mit aller Kraft ziehe ich dran und falle rücklings auf meinen Allerwertesten in den Schnee. Mit nassen Hosen, einem Schnitt an der Hand und  einem steifen Lächeln, begrüße ich meinen Interviewpartner. Einen Wackelkontakt und zwei Stunden später stelle ich fest, dass mein Aufnahmegerät nicht funktioniert hat.

Wird das „Südstadtflair“ zu unserem Verhängnis?


Wieso gibt es zunehmend „Südstädter“, die mit  Karneval gar nichts am Hut haben wollen, die naserümpfend das Treiben der Jecken  mit missbilligenden Blicken strafen? Sie gehen tatsächlich lieber arbeiten als an den Karnevalszügen teilzunehmen. Als ob sie deutlich machen wollten, es gehöre nicht zum guten Ton, so ausgiebig zu feiern! Woher kommen diese Spaßverderber? Was ist bei der Integration falsch gelaufen?


Integration wird schließlich in Deutschland ganz groß geschrieben und ist seit 2005 Pflicht! Die Immis in Köln zum Beispiel sollten Kenntnisse der kölschen Rechtsordnung („Et es wie et es“), der Kultur („Et hätt noch immer jot jejange“)  und der deutschen Geschichte („Wat wellste maache?“) besitzen. Doch was passiert, wenn die Ausländer Inländer sind und aus Hamburg, Bayern oder Westfalen kommen und überhaupt nichts mit dem kölschen Fasteloovend am Hut haben, aber genug Geld verdienen, um sich hier im Veedel einzukaufen? Wie integrieren wir Deutsche im eigenen Land, und wie viel Einfluss haben die „neuen Südstädter“ hier im Viertel?  

Unsere Eltern haben immer gesagt:


„Das macht man nicht!“  Doch die Königin von England tut es insgeheim,  die Kinder in aller Öffentlichkeit und Jogi Löw  beim Fußballspiel. Linkin Park hat ein Lied darüber geschrieben, Gerhard Schöne ein Gedicht. Wir tun es alle, doch zugeben tun wir es nicht! Während die Kinder sich hemmungslos damit beschäftigen, manche Erwachsenen es mit Hingabe und Gründlichkeit tun, ist es für die meisten ein Tabu. Schon als Kind wurde es uns verboten. Er hat viele Namen: Moco, Schnuddel, Schnodder, Bollek, Nasenfrucht, Böhmann. Bei uns aber, wird er liebevoll Popel genannt. Und Popeln ist wichtig!

Die Herren der Schöpfung bevorzugen, es im Auto zu tun, am liebsten an roten Ampeln. Viele legen ihren Kopf dabei schief, damit sie besser „angeln“ können.

„Wird´s besser? Wird´s schlimmer?“


 

fragt man alljährlich.

Seien wir ehrlich:

Leben ist immer

lebensgefährlich.“

Erich Kästner

Was für ein spannendes Ende des Jahres. Eines Tages werden wir stolz unseren Enkelkindern erzählen, dass wir sowohl das letzte Schnapsdatum, den 12.12.12, erlebt haben als auch den Weltuntergang am 21.12.12 überlebt haben! Im Feuerwerk-Rausch der Farben, einem Glas Champagner in der Hand, überzeugt, dass es diesmal klappen wird, formuliere ich ganz säuberlich auf einem Blatt Papier meine guten Vorsätze für 2013. Ich kenne sie auswendig. Schließlich nehme ich mir seit Jahren die gleichen vor. Ich bin mir sicher, diesmal klappt es!

Eine Woche später werde ich anfangen zu schwächeln, doch das weiß ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Was würden Sie tun?


Einige glauben ganz fest daran. Sie sprechen von Mayaprophezeiung, von mystischen Komponenten und außergewöhnlichen Sternenkonstellationen.  Andere meinen: Alles nur Humbug.

Wie auch immer, der Dezember 2012 schenkt uns zwei außergewöhnliche Daten, die von vielen sehnlichst erwartet werden.

Das erste ist der 12.12.12.  Es heißt, "an Tagen mit gleicher Zahl finden Toröffnungen statt, die mit unserer Entwicklung als Menschheit in Zusammenhang stehen."  (Gabriele S. Bodmer). Entwicklung der Menschheit? Was ist am 11.11.11 passiert, haben wir die Tür nicht aufgehalten? Wie dem auch sei, wer daran glaubt, sollte die letzte Chance nutzen, denn der 12.12.12 wird das letzte Schnapszahldatum unseres Leben sein. Für die Amerikaner ist es der Tag des Weihnachtssterns und für manchen Heiratswilligen heißt es „Jetzt oder nie!“ Das Datum eignet sich wunderbar als Hochzeitstag und kann das zukünftige Leben zu zweit sehr erleichtern. Denn den 12.12.12 kann man(n) sich prima merken!

Aber was passiert, wenn die Prophezeiungen stimmen und das Ende der Welt naht?
Die Mayas prophezeiten, dass sich am 21.12.12  ein großer Zyklus der menschlichen Zivilisation schließt und ein neuer beginnt.

Dabei hätte es so schön sein können!


Ich entscheide, mein Glück auf der Straße zu finden. Statt „Haste mal ne Mark?“, frage ich: "Haste mal 'n Thema? Was liegt Dir auf dem Herzen?"

Manche Leute finden Geld auf der Straße, andere neue Freundschaften, und ich erhoffe mir eine Inspiration! Langsam wird es kälter. Ich ziehe meinen Mantel enger um mich. Die kalte Brise bläst mir ins Gesicht, die Leute laufen etwas nach vorne gebeugt. Ihre Augen auf den Boden gerichtet. Sie fängt jetzt langsam an, diese Winterhaltung, dieses in sich Kriechen. Doch nicht mit mir! Ich laufe mit offenen Augen und voller Erwartung durch die Südstadt.

 

Meine erste Begegnung findet auf der Bonner Straße statt. Ich bekomme mit, wie eine ältere Dame einen jungen Mann nach dem Weg fragt. Ohne mit den Wimpern zu zucken, oder sein Tempo zu verlangsamen, läuft er an ihr vorbei. Er ignoriert sie! Entsetzt über die unfreundliche Art des Fremden, biete ich ihr meine Hilfe an. Ganze 30 Sekunden hat es mich gekostet. Na, so viel Zeit hat jeder, oder? Wieso hat kein Mensch Zeit?!

„Arsch Huh“ mal anders


Arsch Huh , Zäng usseinander war unglaublich, wunderbar! Entgegen aller Kritik und  Unkenrufen war es meines Erachtens eine gelungene Demonstration für mehr Toleranz! Im Rausch des Arsch Huhs lief ich am folgenden Tag schlaftrunken gen Badezimmer und erlebte mein ganz persönliches Arsch Huh.

„Wann, wenn nicht jetzt? Wo, wenn nicht hier? Wer, wenn nicht wir?" (John F. Kennedy)


Stoppt die Schwarzmalerei! Ich kann es nicht mehr hören! Was  gibt es  in unserer deutschen Psyche, das es uns unmöglich macht, sich einfach über den Moment zu freuen?