Popcorn vom Boden
Dienstag, 1. April 2025 | Text: Gaby DeMuirier | Bild: Christian Knieps
Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten
„Stellt euch vor, hinter der Schule ist eine riesige Grube, wir nennen sie Unsere Grube! Sie ist voller Unkraut und Baumstümpfe, kleine und große Äste hängen überall. Es geht auf und ab und richtig tief runter. Gelber Lehm überall, in dem man wunderbar buddeln kann!“
So startet das Kinderstück „Unsere Grube“ der freien Theatergruppe pulk fiktion im Keller des Freien Werkstatt Theaters (FWT). Kinder wollen spielen, wild sein, rumtollen und springen. Doch die Ängste und Regeln der Erwachsenen behindern und unterdrücken die Freiheit des kindlichen Spielens. Wo sind Regeln angebracht und wann sind sie überflüssig? Warum mischen sich Erwachsene eigentlich immer ein? Warum sind die Spielideen der Erwachsenen oft sooo langweilig? Die passenden Antworten serviert „Unsere Grube“. Auf amüsante, laute, trotzige und lebendige Weise. Ein Mitmachstück mit Witz und Musik.
Einfach nur spielen
„Was spielt ihr denn gern?“, werden die Kinder gefragt. Verstecken, Fangen, Basketball, Fußball, Leiterspiel, Schach und Lego. Aufgaben werden verteilt, an die ganz mutigen jungen Zuschauer:innen. Sie dürfen helfen, aus der Bühne einen wilden Parcours aus riesigen Reifen zu bauen. Unzählige Reifen, die immer höher gestapelt werden. Schauspieler Mohammed Marouf Alhassan springt von einem Stapel zum anderen, ganz schön mutig. Die Kids sind beeindruckt und neugierig, die anwesenden Eltern atmen hörbar ein.

Die Bühne voller Reifen. (Bild: Gaby DeMuirier)
Spiel-Träume von Sägen&Feuer
Mit Hilfe einiger Kids auf der Bühne verwandeln die Schauspieler:innen Mohammed, Simon Brinkmann und Julia Hoffstaedter die Bühne in einen wilden Parcours aus unzähligen, scheinbar riesigen Reifen. Kreuz und quer kommen die angeflogen, immer mehr werden es. So viel, bis die ganze Bühne voller riesiger Reifenhaufen ist. Untermalt von sanfter Techno-Musik und Gesang. Kinderstimmen vom Band erzählen, was und wie sie gern spielen. Sie erzählen von Nägeln, Sägen, Feuer.
Ja, die Welt ist gefährlich – und Spielen Abenteuer
Aus dem Megaphon ertönen währenddessen immer wieder Warnhinweise über mögliche Gefahrenquellen. Der rutschige und abschüssige Boden, lose Kabel als Stolperfallen. Und dann noch die Warnung vor der Popcornmaschine, die plötzlich mitten auf der Bühne steht und Popcorn spuckt, wie ein Vulkan. „Achtung, die kann mega heiß werden.“ Immer mehr Popcorn landet auf dem blanken Boden. Kann man das wirklich essen? Vom Boden? Klar. Die Darsteller machen´s einfach und laden die Kinder ein. Und das lassen sich einige nicht zweimal sagen und stürmen die Bühne.
Es geht ums Spielen, ums Ausprobieren, um einfach nur Rumtollen. Ohne Regeln, ohne Verbote, ohne Warnungen. Ja, überall können sich Kinder verletzten. Und ja, die Welt ist voller Gefahren, vor denen müssen die Kids beschützt werden. Die wollen das aber gar nicht. Zumindest nicht dauernd. Nicht andauernd gewarnt zu werden, vor den Gefahren, dem Risiko.
Lass das, das ist gefährlich!
„Das ist zu laut, keine gute Idee. Achtung, gleich passiert was. Und dann hast du eine Platzwunde.“ In endlosen Wiederholungen ertönen die mahnenden Stimmen der Väter und Mütter aus den Lautsprechern. „Warum spielt ihr nicht Ball oder schaukelt?“, fragen die besorgten Elternstimmen. „WEIL wir KEINE LUST haben. Die Grube ist viel lustiger.“ Es sind zu viele Verbote und Regeln, die das kindliche Spielen stören.

Viel Musik erwarten die kleinen und großen Theaterbesucher*innen. (Bild: Christian Knieps)
Bühnensturm sicher!
Nach der Einladung, doch einfach auch auf die Bühne zu kommen und mitzuspielen, hält es auch die letzten Kids nicht mehr auf ihren Plätzen. Große & Kleine stürmen die Bühne und machen sie zu ihrem Spielplatz, ihrer Grube eben. Ausgelassen und ungebändigt springen und toben sie in und auf dem Haufen voller Reifen.
Fazit: ein wunderbar amüsantes und lebendiges Stück, das schon kleineren Kids den Spaß am Theater bringen kann. Die nächsten Vorstellungen gibt´s im FWT am kommenden Freitag um 9 und 11 Uhr und am Samstag um 15 Uhr. Die Tickets kosten ab 6 Euro (solidarisches Preissystem).
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